Dornfinger
Cheiracanthium punctorium

Allgemeine Daten
Familie: Sackspinnen (Clubionidae)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Gattung: Cheiracanthium
Art: Cheiracanthium punctorium
Lebensdauer: 1–2 Jahre
Giftigkeit: Für Menschen potenziell schmerzhaft, aber selten gefährlich
Allgemeine Beschreibung
Der Dornfinger ist eine der auffälligsten Sackspinnen Europas. Er hat eine schlanke Körperform, lange Beine und eine auffällige Färbung, die meist von Gelb bis Grün reicht. Diese Spinne ist bekannt für ihren schmerzhaften Biss, der bei empfindlichen Personen ernsthafte Reaktionen hervorrufen kann.
Aussehen
Der Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) zählt mit einer Körperlänge von bis zu 1,5 cm bei Weibchen zu den größten europäischen Sackspinnen. Männchen sind etwas kleiner und erreichen eine Körpergröße von etwa 1 bis 1,2 cm. Ihre schlanke, langbeinige Erscheinung macht sie leicht erkennbar.
Der Vorderkörper (Prosoma) des Dornfingers ist meist leuchtend orange bis rötlich gefärbt, was ihn von anderen Spinnenarten unterscheidet. Diese auffällige Färbung wird durch die Carotinoid-Pigmente in der Kutikula verursacht und dient möglicherweise als Warnsignal für Fressfeinde. Der Hinterleib (Opisthosoma) zeigt eine grünliche oder gelbliche Färbung und hat eine glatte, leicht glänzende Oberfläche. Die Färbung kann je nach Alter, Geschlecht und Ernährung der Spinne variieren.
Die Beine des Dornfingers sind lang und kräftig, wobei das erste Beinpaar deutlich länger und robuster ist als die übrigen. Diese Anpassung ist für seine aktive Jagdtaktik von Bedeutung, da sie ihm hilft, Beute schnell zu packen und festzuhalten. Die Beine sind mit feinen Härchen bedeckt, die als Sinnesorgane für Vibrationen und Berührungen dienen. Sie sind gelblich bis grünlich gefärbt und harmonieren mit dem Farbton des Hinterleibs.
Die Cheliceren (Kieferklauen) des Dornfingers sind kräftig und relativ groß, was seine Fähigkeit zur Verteidigung und zum Erlegen von Beute unterstreicht. Sie sind oft leicht rötlich gefärbt und mit kräftigen Zähnen ausgestattet, die es ihm ermöglichen, die Haut potenzieller Angreifer oder Beute zu durchdringen.
Ein weiteres auffälliges Merkmal des Dornfingers sind seine acht Augen, die in zwei horizontalen Reihen angeordnet sind. Obwohl die Augen klein sind, haben sie eine gute Lichtempfindlichkeit und helfen der Spinne, Bewegungen in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Für die präzise Jagd ist jedoch die Wahrnehmung von Vibrationen und Luftbewegungen wichtiger.
Die Gesamterscheinung des Dornfingers ist sowohl funktional als auch ästhetisch an die Umwelt angepasst. Die grünliche bis gelbliche Färbung bietet eine ideale Tarnung in der Vegetation, während die leuchtend roten Bereiche potenzielle Feinde abschrecken könnten. Die Kombination aus Robustheit und Tarnung macht den Dornfinger zu einem effektiven Jäger und Überlebenskünstler in seinem natürlichen Habitat.
Verbreitungsgebiet
Der Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) ist in weiten Teilen Europas beheimatet und gilt als eine der am weitesten verbreiteten Sackspinnenarten. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südeuropa über Mitteleuropa bis hin nach Osteuropa. Besonders häufig ist er in den wärmeren Regionen des Mittelmeerraums zu finden, wie in Spanien, Italien, Griechenland und auf der Balkanhalbinsel.
In Mitteleuropa, einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist der Dornfinger vor allem in den wärmeren, südlichen und westlichen Landesteilen anzutreffen. Regionen wie die Oberrheinebene, die Alpenvorlandgebiete oder wärmebegünstigte Flusstäler bieten ideale Bedingungen für diese wärmeliebende Spinnenart.
Im Norden Europas war der Dornfinger früher selten oder gar nicht vertreten. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch eine deutliche Ausbreitung in Richtung nördlicherer Breiten beobachten lassen. Dieser Trend wird unter anderem mit der Klimaerwärmung in Verbindung gebracht, die wärmere Sommer und mildere Winter begünstigt und damit neue Lebensräume für die Art erschließt.
Außerhalb Europas kommt der Dornfinger auch in Teilen Asiens vor, insbesondere in gemäßigten Zonen von West- und Zentralasien. In einigen Regionen, wie etwa dem Kaukasus und der Türkei, findet er ebenfalls ideale Lebensbedingungen vor. Berichte über Vorkommen in Nordafrika sind selten, aber nicht auszuschließen, insbesondere in kühleren, höher gelegenen Gebieten.
Obwohl der Dornfinger vor allem in natürlichen Lebensräumen vorkommt, zeigt er eine zunehmende Anpassungsfähigkeit an vom Menschen geprägte Landschaften. Er besiedelt gelegentlich auch Gärten, Parks und andere Kulturlandschaften, solange diese eine ausreichende Vegetation und Mikroklimata bieten.
Lebensraum
Der Dornfinger ist in einer Vielzahl von Habitaten zu finden, bevorzugt jedoch warme, sonnige und trockene Gebiete. Typische Lebensräume umfassen Wiesen, Heiden, lichte Wälder, den Rand von Feldern sowie Böschungen und Waldränder. Diese Lebensräume bieten sowohl die Vegetation, die der Dornfinger für die Konstruktion seines Gespinstes benötigt, als auch ausreichend Deckung vor Fressfeinden.
Besonders charakteristisch für den Dornfinger ist seine Fähigkeit, in strukturreicher Vegetation röhrenartige Netze aus Seide anzulegen. Diese Netze werden bevorzugt an höheren Grashalmen, in Sträuchern oder zwischen Ästen befestigt. Sie dienen als Schutz vor äußeren Einflüssen wie Regen, Wind und Temperaturschwankungen, aber auch als Rückzugsort bei Gefahr.
Im Sommer ist der Dornfinger häufig in offenen Landschaften zu finden, die eine dichte Gras- und Kräuterschicht aufweisen. Diese Standorte bieten nicht nur ausreichend Schutz, sondern auch eine hohe Verfügbarkeit an Beutetieren. Im Gegensatz dazu zieht er sich in kühleren Jahreszeiten in geschützte Bereiche wie Spalten in Baumrinden, Felsspalten oder ähnliche Verstecke zurück.
Die geographische Verbreitung des Dornfingers erstreckt sich vor allem über Süd- und Mitteleuropa, wobei er zunehmend auch in nördlichere Regionen vordringt. Dieses Phänomen wird auf die steigenden Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel zurückgeführt. In Deutschland ist der Dornfinger mittlerweile in fast allen Bundesländern zu finden, wobei er sich bevorzugt in wärmeren Gebieten wie der Oberrheinebene oder den Weinbaugebieten ansiedelt.
Ein weiteres interessantes Merkmal des Dornfingers ist seine Fähigkeit, sich auch in Kulturlandschaften anzupassen. So findet man ihn gelegentlich an Wegrändern, in Gärten oder sogar in landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Allerdings meidet er stark gestörte oder intensiv bewirtschaftete Flächen, die weder ausreichend Vegetation noch geeignete Mikroklimate bieten.
Verhalten
Der Dornfinger ist ein nachtaktiver Einzelgänger, der sein Netz tagsüber selten verlässt. Er bevorzugt dichte Vegetation und sonnige Standorte, wo er sich tagsüber in seinem röhrenförmigen Gespinst versteckt. Diese Verstecke dienen nicht nur als Schutz vor Fressfeinden, sondern auch als Rückzugsort während der Häutung oder in Ruhephasen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Spinnen ist der Dornfinger nicht auf ein Netz zur Beutejagd angewiesen. Stattdessen bewegt er sich gezielt durch sein Habitat und verfolgt Beute aktiv. Er verlässt sich dabei auf seine hervorragenden Sinnesorgane, insbesondere seine Tast- und Vibrationswahrnehmung, um Bewegungen in der Umgebung wahrzunehmen.
Bei Bedrohung zeigt der Dornfinger ein deutlich defensives Verhalten. Er hebt den Vorderkörper an, streckt die langen Vorderbeine nach vorne und öffnet die Kieferklauen in einer Drohhaltung. Diese Drohgebärden sollen potenzielle Angreifer abschrecken. Sollte die Bedrohung anhalten, kann es zu einem Biss kommen, der allerdings nur als letzte Verteidigungsmaßnahme eingesetzt wird.
Interessant ist auch das saisonale Verhalten: Während der Sommermonate sind Dornfinger deutlich aktiver und leichter zu beobachten, da sie auf der Suche nach Partnern oder neuen Lebensräumen umherwandern. Im Herbst ziehen sie sich in geschützte Bereiche zurück und reduzieren ihre Aktivität, um Energie zu sparen und den Winter zu überstehen.
Ernährung
Die Ernährung des Dornfingers besteht hauptsächlich aus Insekten und kleinen Gliederfüßern. Mit Hilfe seines Gifts lähmt er die Beute, um sie anschließend in Ruhe zu verdauen.
Fortpflanzung
Das Weibchen legt die Eier in einem gut versteckten Seidenkokon ab, den es bewacht. Die Jungspinnen schlüpfen nach einigen Wochen und verbleiben zunächst in der Nähe des Kokons, bevor sie eigenständig werden.
Gefahr für den Menschen
Der Biss des Dornfingers ist schmerzhaft und wird oft mit einem Bienenstich verglichen. In seltenen Fällen können systemische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost oder Schwellungen auftreten. Lebensbedrohliche Reaktionen sind jedoch äußerst selten.
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